Insekten im Reetdach
Die Normierung von Bauteilen und Baustoffen stellt sich bei Naturprodukten wie dem Reetdach oder bei anderen naturbelassenen Baumaterialien immer schwierig dar. Die Gewinnung des Rohstoffes und die Erstellung des Bauteils Dach findet immer unter direkten Einfluss der jeweils vorhandenen klimatischen Bedingungen statt. Der Verzicht auf technische Veredlung bzw. Behandlung des Rohmaterials bietet vielen Insekten die Möglichkeit, den Lebensraum Reet auch dann zu nutzen, wenn die Halme als Dachdeckungsmaterial verpackt und zur Baustelle werden. Staubläuse sind eine häufig vorkommende Insektenart, die für den Menschen nach jetzigen Erkenntnissen ungefährlich ist. Erstaunlich ist immer wieder, wie gering der Wissensstand um die einheimischen Insekten ausgeprägt ist. Ebenso erstaunlich ist die Furcht vor Insekten, insbesondere wenn der Verdacht besteht, dass es sich hierbei um ausländischer Arten handeln könnte. Wichtig ist bei Insektenbefall immer die sichere Artenbestimmung. Hier sollte auf geeignete Fachleute oder Labore keinesfalls verzichtet werden. Durch diesen Schritt ist eine Einschätzung der Gefährdung für die Bewohner sicher durchführbar. In den allermeisten Fällen stellen sich die zunächst mit großer Unsicherheit und großem Misstrauen in beobachteten Insekten als harmlos, wenn auch mitunter lästig dar. In jedem Fall war der Befall zeitlich begrenzt. Weil die Trocknung der neu erstellten Bauwerksteile nach wenigen Monaten die Lebensbedingungen für die Staubläuse verschlechtert, ziehen sich die Tiere rasch vom Gebäude zurück. Ein Befall von Staubläusen am Dach von alten Häusern ist nicht bekannt.
